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Coburger Fuchsschafzucht des Quittenhofs

Die Coburger Fuchsschafe auf dem Quittenhof sind eine alte Landschafrasse, über die allgemein in den letzten Jahren bereits viel geschrieben wurde - vielleicht auch etwas zuviel.
Denn weder gibt es fundierte Fachbuchpublikationen über die Rasse, noch ein gemeinschaftliches Konzept unter den Züchtern wie zukünftig überhaupt noch Tiere miteinander angepaart werden können, deren Blutlinien in einem nicht zu engen Verwandtschaftsgrad zueinander stehen, was eigentlich über dem z. Zt. visuell geprägten Zuchtziel stehen muss, nur augenscheinlich rassetypische Tiere nach zu reproduzieren.

Nach gegenwärtigem Standart der Zuchttierbewertung erreichen Schafe mit bester Wollqualität und stattlichem Körperbau die höchsten Körungsnoten. In der gängigen Praxis der Schafhaltung (inkl. seltener Rassen) heißt das, dass beispielsweise ein Bock oder Schaf mit guter Wolle und kräftiger Figur als hochwertiges Zuchttier klassifiziert wird, gleichwohl dieses genetisch mit aberhunderten Schafen anderer Züchter in enger Verwandtschaft steht.
Dagegen erlangt ein Bock oder Schaf mit durchschnittlicher Wollqualität und von leichterer Statur in der Regel aber nur einen Zuchtwert, welcher sich kaum vom Schlachtpreis unterscheidet, auch wenn die Tiere nach ihrer penibel dokumentierten Abstammung für die Erhaltungszucht des Coburger Fuchsschafes in ihrer Genetik wahre Juwelen sind.

Nun, wer die Entwicklung unseres Quittenprojekts in den letzten Jahren etwas mitverfolgt hat, wird ahnen, dass wir uns nicht mal eben irgendeine Schafrasse halten und auch nicht einfach nur weil's schön ist (obwohl es wirklich schön ist!!!). Und all jene die frisch auf unsere MUSTEA Seite gestoßen sind, werden in den verschiedenen Kapiteln gewiss entdecken, wie der Schutz vom Aussterben bedrohter Quittenlandsorten und extensive Landschaftspflege sich in unseren geschlossenen Betriebs- und in den Naturkreisläufen ergänzen.

Der Hintergrund für die Tierhaltung in Kombination mit unserem Quittenhof fußt vor allem in den Beobachtungen der vergangenen Jahre, dass nämlich auf unseren Rekultivierungsflächen von Quitten oder Streuobst, sich nach und nach wieder eine Vielzahl von Pflanzen und Insekten etablierten, denen in breiter Flur kaum noch ein Lebensraum gegeben ist.
Deshalb wollten wir für viele Baumfelder unsere bisherige Unterwuchspflege mit Mähmaschinen neu überdenken, sodass letztlich beim nächtlichen Grübeln und Schafe zählen, das große Buch der Natur selbst die besten Empfehlungen zu verheißen vermochte und demnach eine Beweidung die ökologisch sinnträchtigste Option für die Förderung der Flora und Fauna unserer Obsthaine darstellte.

Und das geht traditionsgemäß in der fränkischen Kulturlandschaft mit Schafen am besten, deren "goldener Tritt" und rupfender Biss ins Gras, für Boden und Vegetation am nachhaltigsten ist.

Da die klimatischen Vegetationsbedingungen und geografische Struktur rund um die Volkacher Mainschleife in punkto Futterangebot und artgerechtem Lebensraum, ähnliche Parallelen zum klassischen Mittelgebirge aufweisen, in welchem einst das rotköpfige Fuchsschaf mit seinen verschiedenen Schlägen aus der Eifel, dem Hunsrück, dem Thüringer Wald und aus Oberfranken verbreitet war, so beantwortete sich schließlich die Frage, welche Schafrasse am besten zu unserem Quittenhof passt, fast von selbst.

Der Grundstock unserer Herde basiert auf drei verschiedenen Blutlinien und Schlägen unserer Mutterzuchttiere, welche allesamt auch bei der Bayerischen Herdbuch-Gesellschaft für Schafzucht e.V. gelistet sind, wenngleich wir aus der oben erläuterten Thematik bei der Selektion unserer Zuchttiere den Schwerpunkt auf die Vermehrung möglichst heterogener Schafe setzen und individuellen Eigenschaften von Tier zu Tier über Lammaufzucht, Futterverwertung, Vitalität, Hufentwicklung und Verhalten eine höhere Priorität beimessen als Wollqualität und Fleischmasse.

Mit einem Bock aus Baden Württemberg konnten wir Frühjahr 2016 eine weitere, wertvolle Zuchtlinie ziehen und mit 1,8 Lämmern im Durchschnitt pro Mutterschaf bleibt über unsere Coburger Füchse auch schon nicht viel mehr zu schreiben, als das sie sich im Jahreszyklus unter unseren Quitten sehr wohl zu fühlen scheinen.

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